Ein Bericht aus Käufersicht: Bangkirai auf GTH suchen, Angebote anfordern, Compliance-Dokumente prüfen und eine Lieferung in Rotterdam empfangen.
Die Perspektive des Käufers
Ein niederländischer Holzgroßhändler benötigt Bangkirai-Terrassendielen für einen bedeutenden Kunden aus der Bauwirtschaft. Die Anforderungen sind klar definiert: 25 × 145 mm, Profil E4E, Zufallslängen von 2,4 bis 5,7 Metern.
Seit der Einführung der EUDR ist die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen unverzichtbar. Bisher arbeitete das Unternehmen mit einem lokalen Vermittler in Indonesien zusammen, der einen Aufschlag von 5–8 % berechnete und sich hauptsächlich um die Kommunikation mit dem Hersteller sowie um eine begrenzte Qualitätskontrolle kümmerte.
Dieses Mal entschied sich der Importeur, den Lieferanten direkt über catastico.eu zu finden und den gesamten Beschaffungsprozess über Green Trade Hardwood (GTH) abzuwickeln.
Lieferantensuche
Auf der Plattform wurden folgende Suchfilter verwendet:
- Holzart: Bangkirai (Shorea laevis)
- Stärke: 25 mm
- Breite: 140–150 mm
- Herkunft: Indonesien
- Verfügbarkeit: Sofort versandbereit
Die Suche lieferte vier passende Angebote.
Jedes Angebot enthielt übersichtlich Angaben zur Qualitätsklasse, zum Trocknungsgrad, zur Lieferzeit sowie zum Zertifizierungsstatus.
Zwei der vier Anbieter verfügten bereits über eine gültige SVLK-/V-Legal-Zertifizierung, die direkt im Angebot ausgewiesen war. Dadurch konnte die Auswahl sofort auf diese beiden Lieferanten eingegrenzt werden.
Angebotsanfrage (RFQ)
Der Importeur versandte dieselbe Request for Quotation (RFQ) an beide ausgewählten Lieferanten:
- 60 m³ Bangkirai E4E
- Holzfeuchte 12–14 %
- Vollcontainer (FCL)
- Lieferbedingung CIF Rotterdam
Das erste Angebot ging nach 18 Stunden ein, das zweite nach etwa 30 Stunden.
Beide Angebote enthielten detaillierte Informationen zu den verfügbaren Abmessungen, zur Verpackung sowie zu den Seefrachtkosten.
Bewertung der Angebote
Der Preisunterschied zwischen den beiden Angeboten betrug lediglich rund 4 %.
Ausschlaggebend war jedoch nicht der Preis.
Einer der Anbieter fügte seinem Angebot bereits eine vorläufige Packliste bei und bestätigte, dass die Ware sofort versandbereit sei.
Der andere Lieferant gab lediglich an, dass die Ware „auf Anfrage verfügbar” sei.
Die sofortige Verfügbarkeit überzeugte den Importeur, den Auftrag an den ersten Anbieter zu vergeben.
Es folgte nur eine kurze Verhandlungsrunde.
Der Preis blieb unverändert, jedoch wurden günstigere Zahlungsbedingungen vereinbart:
- 30 % Anzahlung
- 70 % gegen Kopie des Bill of Lading (B/L) anstelle der bisherigen 50/50-Regelung
Anschließend wurde der Auftrag bestätigt.
Dokumentation für die EUDR-Compliance
Nach der Auftragserteilung stellte der Verkäufer sämtliche verfügbaren Dokumente direkt auf der Plattform bereit:
- FLEGT-Lizenz (sofern für die Lieferung anwendbar),
- SVLK-/V-Legal-Zertifikat,
- Geolokalisierungsdaten der Einschlagsflächen,
- Ursprungserklärung mit Angabe der Forstkonzession.
Alle Dokumente wurden dem Auftrag zugeordnet und konnten zentral als PDF heruntergeladen werden.
Für den Importeur bedeutete dies, dass sämtliche Unterlagen für die Erstellung seiner Due Diligence Statement (DDS) schnell verfügbar waren – ohne wochenlangen E-Mail-Verkehr mit verschiedenen Ansprechpartnern.
Die DDS konnte innerhalb von drei Arbeitstagen nach der Zollabfertigung erstellt werden.
Der Versand
Der Container wurde im Hafen von Semarang verladen.
Nach einer Transitzeit von 42 Tagen erreichte die Sendung den Hafen von Rotterdam.
Während des Transports wurde der Sendungsstatus automatisch über die Plattform aktualisiert:
- Container verladen,
- Schiff abgefahren,
- Ankunft im Bestimmungshafen.
Bei der Wareneingangskontrolle entsprach das Material vollständig den vereinbarten Spezifikationen:
- korrekte Abmessungen,
- Holzfeuchte innerhalb der vereinbarten Werte,
- lediglich ein beschädigtes Umreifungsband während des Transports,
- keine Schäden am Holz.
Es musste keine Reklamation eröffnet werden.
Was Käufer beachten sollten
- Formulieren Sie Ihre RFQ möglichst präzise. Detaillierte Anfragen führen zu besser vergleichbaren Angeboten und vermeiden Missverständnisse.
- Fordern Sie die für die EUDR erforderlichen Unterlagen bereits zu Beginn an. Die Prüfung der Compliance vor den Preisverhandlungen verbessert die Entscheidungsgrundlage erheblich.
- Unterscheiden Sie zwischen „sofort versandbereit” und „Produktionskapazität verfügbar”. Sofort verfügbare Ware kann in der Regel innerhalb von zwei bis vier Wochen geliefert werden, während neu produzierte Ware häufig acht bis vierzehn Wochen benötigt.
- Überprüfen Sie stets die Gültigkeit der Zertifikate. Auch bei verifizierten Lieferanten empfiehlt es sich, vor der Auftragsbestätigung sicherzustellen, dass alle Zertifizierungen noch gültig sind.
Fazit
Die Beschaffung über GTH nimmt dem Importeur seine Aufgaben nicht ab. Sie macht den gesamten Beschaffungsprozess jedoch wesentlich effizienter, da Lieferantensuche, Angebotsanfragen, Dokumentenmanagement und Rückverfolgbarkeit in einer zentralen, transparenten und revisionssicheren Plattform zusammengeführt werden
Gerade im internationalen Holzhandel unter den Anforderungen der EUDR ist diese zentrale Verwaltung aller relevanten Informationen einer der größten Vorteile für Importeure und Lieferanten. Mehr zur Bewertung von Zertifizierungsansprüchen finden Sie unter Zertifiziertes vs. nicht zertifiziertes Hartholz.